14. Januar 2021

Dezernentin zieht Bilanz des digitalen Schulstarts

Dr. Christiane Schmahl: „Einführung von I-Serv war ein wichtiger Schritt“ / Landrätin Schneider gibt Überblick zu Breitbandausbau

Landkreis Gießen. Vier Tage nach dem weitgehend digitalen Schulstart im Landkreis Gießen zieht Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl Bilanz: Zwar habe es gerade zu Beginn an einigen Schulen technische Probleme beim Unterricht per Computer zuhause gegeben, bereits kurz danach sei die Situation aber schon wieder besser gewesen. „Wir sind in einer Ausnahmesituation. Und bestimmte Dinge lassen sich vorher nicht simulieren“, sagt Schmahl.

So war der Grundschulserver der Schulplattform I-Serv am Montag abgestürzt. „Während die Hessische Schulplattform an den drei Tagen vor Weihnachten in die Knie ging, hat I-Serv bei uns damals gut funktioniert“, vergleicht Schmahl. Am vergangenen Montag jedoch führten etwa 7000 zeitgleiche Zugriffe auf das Videomodul zum Absturz. In der Nacht zum Dienstag wurde technische Abhilfe geschaffen. Die starke Videonutzung habe auch zu einzelnen Problemen bei Servern weiterführender Schulen geführt, erklärt Schmahl. „Am Mittwoch hat eine Abfrage an den weiterführenden Schulen dann ergeben, dass die Server laufen“, berichtet Schmahl. Das Videomodul werde genutzt, die meisten Lehrkräfte und Schüler*innen nähmen jedoch das Microsoft-Tool „Teams“ in Anspruch. „Diese Lösung hat das Land gestattet, viele Landkreise nutzen sie auch in normalen Zeiten.“ Bei technischen Problemen stehe jederzeit das Supportteam des Landkreises bereit.

Die Startprobleme seien keine gewesen, die nur den Landkreis Gießen betrafen, erklärt Schmahl. Ebenso sei die Nutzung von I-Serv hier keine Besonderheit: Die Plattform werde nicht nur flächendeckend in Niedersachsen, sondern auch andernorts in Hessen eingesetzt – etwa im Lahn-Dill-Kreis und dem Vogelsbergkreis oder an einigen Schulen im Main-Kinzig-Kreis.

Doppelbeschulung sorgte für eine zusätzliche Belastung der Systeme

Eine Ursache für die Startschwierigkeiten sei auch die Doppelbeschulung, die das Kultusministerium im Vergleich zum ersten Lockdown im Frühjahr nun gewählt habe. „Im Frühjahr fand nur Distanzunterricht statt. Nun werden Gruppen zu Hause und in der Schule unterrichtet“, erklärt Schmahl. „Lehrkräfte müssen beide Gruppen mit dem gleichen Stoff versorgen.“ Viele hätten daraufhin den Präsenzunterricht im Video Livestream für Schüler*innen zuhause verfügbar machen wollen – und das zeitgleich und zur gewöhnlichen Schulzeit ab 8 Uhr. „Hinzu kommt das Versprechen des Kultusministers, dass alle den gleichen Stoff erhalten, egal ob zu Hause oder in der Schule.“ Auch das sei ein Unterschied zum Frühjahr.

Wichtige Voraussetzung für eine leistungsfähige Datenübertragung sind die geplanten Breitbandanbindungen der Schulen. „Uns haben in dieser Woche auch Fragen erreicht, wann endlich alle Schulen im Kreisgebiet im Zuge der dritten Breitband-Ausbaustufe über Glasfaser bis ins Gebäude verfügen“, berichtet Landrätin Anita Schneider. „Wir stehen nach einem mehr als einjährigen, komplexen Vergabeverfahren kurz vor der Auftragsvergabe.“ Eine letzte Hürde sei jedoch die Wirtschaftlichkeitsprüfung des Bundes, der den Ausbau fördert. „Wir sind soweit und können starten, müssen aber auf diese Prüfung des Bundes warten“, erklärt die Landrätin.

Schuldezernentin Schmahl bewertet die Einführung der Schulplattform IServ weiterhin als großen Schritt nach vorn für die Schulen des Landkreises. „Damit war es möglich, jedem Lehrer und allen Schülern eigene E-Mail-Adressen zuzuordnen. Das ist etwas, das es in großen Teilen Hessens noch nicht gibt.“ Das Land arbeite dagegen seit Jahren an einer eigenen Schulplattform, die nun mit Hochdruck aus mehreren Programmen zusammengesetzt wurde. Das Authentifizierungsverfahren sei so schwierig, dass viele Lehrkräfte es nicht nutzen wollten. Die Schulplattform verfüge auch nicht über ein Videomodul. „Grundsätzlich haben wir alle Hausaufgaben gemacht“, sagt Schmahl. Teilweise seien neue Server bestellt worden, so wie für die Theo-Koch-Schule in Grünberg.

Der Landkreis Gießen war der erste in Hessen, der im vergangenen Jahr Schüler*innen, die keine eigenen Tablets und Laptops haben, vollständig mit Leihgeräten ausgestattet hat, so die Bilanz von Dezernentin Schmahl. „Die Mittel, die der Bund dafür zur Verfügung gestellt hat, haben wir vollkommen ausgegeben.“