24. April 2020

Auf dem Rad zur Schule – sicher und mit Abstand

Landkreis und Partner starten Pilotprojekt zum Schulstart / Schülerströme sollen entzerrt werden

Landkreis Gießen. Rein in die Pedale und raus an die frische Luft: Der Landkreis Gießen möchte erreichen, dass mehr Schülerinnen und Schüler per Rad zur Schule fahren. Gemeinsam mit Kommunen, beteiligten Schulen, dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und weiteren Partnern schafft er in einem Pilotprojekt die Voraussetzungen. Begonnen wird zum Schulanfang an den Standorten Buseck, Lich, Linden und Lollar. „Weitere Standorte für das Projekt ‚Auf dem Rad zur Schule‘ werden in den nächsten Wochen folgen“, sagt Landrätin Anita Schneider.

Anlass ist die Corona-Pandemie. Denn am kommenden Montag (27. April) beginnt mit Einschränkungen und Infektionsschutzvorkehrungen für bestimmte Jahrgänge wieder der Unterricht. Wer zur Schule radelt, vermeidet enge Kontakte zu anderen im Bus und eine steigende Zahl von „Elterntaxis“.

„Im Bus ist es vor allem beim Ein- und Aussteigen oft schwierig, den Mindestabstand von anderthalb Metern einzuhalten“, sagt Landrätin Schneider. Wer seine Kinder mit dem Auto zur Schule bringen möchte, sollte darauf achten, dass dies kein Risiko für andere Schülerinnen und Schüler darstellt, die zu Fuß unterwegs sind. Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl empfiehlt: „Bewegung ist gut – und wo es sicher und möglich ist, sollte der Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden.“ Das sei nicht nur gesund, sondern auch umweltfreundlich.

Vier Gesamtschulen im Landkreis sind in einem ersten Schritt dabei

Gemeinsam mit Partnern entstand die Idee für das Pilotprojekt. In einem ersten Part machen die Gesamtschule Busecker Tal, die DietrichBonhoeffer-Schule Lich, die Anne-Frank-Schule (AFS) Linden und die Clemens-Brentano-Europaschule Lollar mit. Das Projekt unterstützen auch die Bürgermeister. „Diese Aktion ist nicht zuletzt ein schönes Signal der Solidarität. Schüler, die aufgrund ihres Alters und ihrer Fahrraderfahrung den Bus vermeiden können, machen im wahrsten Sinne des Wortes Platz für die Jüngeren“, sagt Lichs Bürgermeister Dr. Julien Neubert.

Ehrenamtliche aus dem ADFC und anderen lokalen Initiativen wie beispielsweise der Initiative „Verkehrswende in Buseck“ oder „Klima Initiative Linden“ hatten bereits im Vorfeld solche Überlegungen angeregt.

Dafür sollten sich die Schülerinnen und Schüler per Rad an zentralen Punkten in den jeweiligen Ortsteilen treffen und mit ausreichendem Abstand zueinander zur Schule radeln. Freiwillige, Eltern und Vereine sind aufgerufen zu helfen, um den Fahrradtross zu begleiten. Gefährliche Punkte der Radwege zur Schule wie Querungen und Kreuzungen werden größtenteils durch die jeweiligen Ordnungsämter vor Schulbeginn und nach Unterrichtsende abgesichert.

An den Schulen selbst sorgen Kommunen und Schulen dafür, dass „Elterntaxis“ nicht direkt bis vors Schultor fahren. Eltern betreffender Klassen werden mit Infobriefen über das Angebot aufgeklärt. „Wir möchten in Zeiten der Pandemie versuchen, die Schülerströme zu entzerren“, erklärt Landrätin Schneider. „Und wenn wir es schaffen, dass sich mehr Schüler als bisher aufs Rad setzen, haben wir auch für die Zukunft viel erreicht. Hier besteht die Chance für eine Verstetigung und Nachhaltigkeit des Modellvorhabens dieses Projektes.“

Die Schulleitungen sowie die Elternvertretungen wurden innerhalb kürzester Zeit in die Planungen eingebunden. Bei Vor-Ort-Terminen besprachen sie die individuellen Gegebenheiten der jeweiligen Schule und die verkehrssicheren Fahrradwege zur Schule. Das Konzept werde von den Elternvertretungen begrüßt und unterstützt, betont Susanne Schröder, die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der AFS.

Kinder sollten Helm und verkehrssicheres Fahrrad nutzen

Matthias Brodkorb, Schulleiter der Gesamtschule Busecker Tal, gibt den Hinweis: „Eltern sollten beachten, dass sie ihre Kinder nur mit Kopfschutz und verkehrssicheren Fahrrädern auf den Schulweg schicken.“ Das bestätigen auch die beiden Polizeibeamten aus dem Polizeipräsidium Mittelhessen, die für die Verkehrserziehung zuständig sind. Sie ergänzen: „Darüber hinaus sollten die Schüler im Radfahren geübt sein und örtliche Gefahrenstellen auf dem Weg beachten.“

Ausweitung des Modellversuchs auf Grundschulen geplant

Der Modellversuch startet zunächst an den vier Gesamtschulen – hier sind es derzeit Schülerinnen und Schüler ab der neunten Klasse, für die ab Montag der Unterricht eingeschränkt beginnt. Wo es machbar ist, solle das Projekt aber auch auf Grundschulen ausgeweitet werden, sagt Schuldezernentin Dr. Schmahl. „An den Grundschulen gehen vorerst nur die Viertklässler zum Unterricht. Eigentlich sollten die Kinder erst nach bestandener Radfahrprüfung alleine mit dem Rad zur Schule geschickt werden. In diesem Jahr ist die Situation besonders, nicht alle Kinder konnten ihre Prüfung für den Fahrradführerschein ablegen. Für geübte Grundschülerinnen und -schüler, deren Eltern ihren Kindern den Weg zur Schule mit dem Fahrrad zutrauen, ist es ebenfalls möglich mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen.“