Abweichung der Inzidenz zum RKI

Warum weichen häufig die Infektionszahlen des Landkreises von denen des Robert Koch-Instituts (RKI) ab?

Grundsätzlich kommt es immer wieder zu Differenzen zwischen den von den Gesundheitsämtern erhobenen und den vom RKI ausgewiesenen Zahlen. Dadurch weist das RKI häufig auch eine andere Sieben-Tage-Inzidenz aus als der Landkreis selbst.

Die Ursache ist vor allem ein Übermittlungsverzug. Das Infektionsschutzgesetz (§11) sieht vor, dass die Gesundheitsämter Daten zu meldepflichtigen Krankheiten bewerten, zusammenführen und spätestens am folgenden Arbeitstag an die Landesbehörde (das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen, HLPUG) übermitteln. Dieses übermittelt die zusammengeführten Zahlen wiederum weiter an das RKI.

Was bedeutet das in der täglichen Arbeit des Gesundheitsamtes?

Das Gesundheitsamt bekommt in der Regel Befunde nach positiven PCR-Testungen von den auswertenden Laboren gemeldet. Der Zeitpunkt der Einstellung der Labormeldung im Programm DEMIS (Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem) wird als „Datum der Meldung“ bezeichnet. Meist ist das „Datum der Meldung“ auch der Zeitpunkt, an dem das Gesundheitsamt den Fall in der eigenen Software erfasst – das sogenannte Meldedatum.

Das Gesundheitsamt des Landkreises Gießen erfasst Fälle täglich bis 20 Uhr. Meldet ein Labor einen Befund aber erst spät abends und er wird erst am folgenden Morgen abgerufen, ergibt sich dadurch eine Differenz von einem Tag zwischen Datum der Meldung und dem Meldedatum.

Täglich bis spätestens um 17 Uhr muss das Gesundheitsamt über das Programm SurvNET die Meldungen an das HLPUG übermitteln. Dieses übermittelt diese abermals weiter an das RKI. HLPUG und RKI verwenden für die Berechnung der Inzidenzen das Meldedatum. Später am Tag übermittelte Daten werden vom HLPUG erst am nächsten Tag bearbeitet.

Parallel führt das Gesundheitsamt seit Beginn der Pandemie fortlaufend und tagesaktuell eine eigene Zählung aller infizierten Personen. Das Datum der Bearbeitung aus dieser Liste wird zur eigenen, tagesaktuellen Berechnung der Inzidenz verwendet, die auch auf der Corona-Informationsseite des Landkreises eingestellt wird. Der Zeitpunkt für den täglichen Schnitt zur Berechnung war bis zum 20. März 2021 täglich um 15 Uhr. Auch dadurch entstand eine Differenz gegenüber der abweichenden Inzidenz des RKI. Seit. 21. März 2021 ist der Zeitpunkt für den täglichen Schnitt zur Berechnung 17 Uhr. Denn zu diesem Zeitpunkt werden auch die Meldungen ans HLPUG übermittelt.

Bereits veröffentlichte Zahlen können rückwirkend aus mehreren Gründen korrigiert werden. Auf Ebene des Gesundheitsamtes geschieht das zum Beispiel dann, wenn sich nachträglich herausstellt, dass Personen einen anderen Wohnort haben als zunächst vermerkt oder doppelt geführt wurden – etwa, wegen verschiedener Schreibweisen des Namens oder Differenzen im Geburtsdatum, die erst bei einer Qualitätskontrolle erkannt werden. Ebenso kann es vorkommen, dass eine als infiziert geführte Person wegen eines unklaren Befundes erneut getestet wird und sich herausstellt, dass sie nicht isolationspflichtig ist.

Personen, die nur mit einem positiven Antigen-Nachweis gemeldet wurden (nach einem positiven Schnelltest), erfüllen nicht die Referenzdefinition des RKI und werden daher zunächst nicht in den Statistiken geführt. Wird der positive Antigen-Nachweis durch einen PCR-Nachweis bestätigt, wird diese Person rückwirkend zum Meldedatum des Antigennachweises als Fall geführt.

Aus den genannten Gründen sieht das Gesundheitsamt auch davon ab, täglich Neuinfektionen pro Gemeinde darzustellen – denn dieser Wert kann sich durch nachträgliche Überprüfungen rasch ändern. Stattdessen zeigen wir die Sieben-Tage-Inzidenz als Maßstab für den sogenannten Infektionsdruck sowie täglich die Zahl der aktiven Fälle – dies sind diejenigen Personen, die als infiziert gemeldet sind und sich darum in Isolation befinden.

Weitere Informationen:

RKI – Coronavirus SARS-CoV-2 – COVID-19-Inzidenzen

https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/gesamt.html

FAQ | Landkreis Gießen – Corona (lkgi.de)